Lernen in der Industrie 4.0 – Vision oder Wirklichkeit?

Wer sich vor 20 Jahren weiterbildete, las in Büchern oder besuchte eine Veranstaltung. Mittlerweile gehören unter anderem Web-basiertes sowie mobiles Training und Moocs (Massive Open Online Course) zur Lernrealität. Auch aus dem Universitätsalltag sind digitale Lernplattformen wie zum Beispiel Moodle nicht mehr wegzudenken.

Die neuen Möglichkeiten werden auch für Unternehmen immer wichtiger, denn Ihre Mitarbeiter arbeiten in immer komplexeren Zusammenhängen und müssen fortlaufend geschult werden.

Der Digitalisierung folgt die Vierte Industrielle Revolution!

Die Industrie hat die Chancen des aktuellen Wandels erkannt und nach einem Weg mit den neuen Technologien einen Wettbewerbsvorteil für Deutschland zu erarbeiten. Deswegen beschäftigen sich derzeit unter anderem die drei Industrieverbände BITKOM, VDMA und ZVEI, anknüpfend an das „Zukunftsprojekt Industrie 4.0“ des Aktionsplans „Hightech-Strategie 2020“ der Bundesregierung mit dem Thema „Industrie 4.0“.

Was bedeutet Industrie 4.0 in der Theorie?

Der Lenkungskreis der Plattform Industrie 4.0 definiert Industrie 4.0 wie folgt:

„Der Begriff Industrie 4.0 steht für die vierte industrielle Revolution, einer neuen Stufe der Organisation und Steuerung der gesamten Wertschöpfungskette über den Lebenszyklus von Produkten. Dieser Zyklus orientiert sich an zunehmend individualisierten Kundenwünschen und erstreckt sich von der Idee, dem Auftrag über die Entwicklung und Fertigung, die Auslieferung eines Produkts an den Endkunden bis hin zum Recycling, einschließlich der damit verbundenen Dienstleistungen…“
(Plattform Industrie – Foschungsstand April PDF)

Henning Kagermann, Co-Vorsitzender des Arbeitskreises Industrie 4.0 und Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften ist davon überzeugt, dass die vierte industrielle Revolution einen klaren Wettbewerbsvorteil für Deutschland darstellen kann. Er sagt: „Industrie 4.0 betrifft die Zukunft unserer Arbeit. Wir können ein Leitanbieter intelligenter Produktionssysteme ‚Made in Germany‘ werden und als Leitmarkt Industrie 4.0 Wertschöpfung und Arbeitsplätze schaffen.“

Industrie 4.0 anschaulich:

Im Zentrum der Forschungen steht die intelligente Fabrik – auch Smart Factory genannt. In ihr sind sämtliche Maschinen miteinander vernetzt und kommunizieren sowohl miteinander als auch mit den Mitarbeitern. Dadurch wird eine vollautomatisierte Produktion ermöglicht, durch die Kosten eingespart werden können. Dies wiederum wirkt sich nicht nur bei Massenproduktionen, sondern auch bei der Produktion von geringeren Mengen aus. Durch eine Vernetzung über das einzelne Unternehmen hinaus wird die Produktion flexibler und bietet dem Kunden einen größeren Service. Der folgende Film gibt einen guten Überblick über die künftige Produktion in der Industrie 4.0:

Industrie 4.0 wird die auch die Art des Lernens revolutionieren

Industrie 4.0 wird auch das Arbeiten und die Ausbildung revolutionieren. Mitarbeiter werden nicht nur Teil dieser Entwicklung, sie werden sie vorantreiben. In der Smart-Factory gilt es, weniger mechanische als koordinierende und kreative Aufgaben zu übernehmen und sich fortlaufend weiter zu bilden. Hierfür wird sich auch die Art der Weiterbildung wandeln. Um eine „smarte und flexible Produktion“ umzusetzen, werden auch „smarte und flexible Weiterbildungskonzepte“ erforderlich.

Der wissenschaftliche Beirat der Plattform Industrie 4.0 stellt in seinen „17 Thesen: Neue Chancen für unsere Produktion“ fest, dass sich der Zugang zu Wissen durch die starke Vernetzung weiter vereinfachen wird. Außerdem werden „Learnstruments“ die Lehr- und Lern-Produktivität deutlich steigern und „Lernzeuge“ werden dem Nutzer ihre Funktionalität automatisch vermitteln.

Bisher ergeben Recherchen zum Thema Learnstruments nur wenige valide Ergebnisse. Im Kundenmagazin FUTUR des Fraunhofer Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik findet sich hierzu jedoch im Rahmen des Themas Industrie 4.0 ein aktueller Artikel, der ein Forschungsprojekt von Wissenschaftlern des IWF der TU Berlin anhand einer Selbsthilfewerkstatt für Fahrräder erklärt.

Hierbei wurde eine Learnstrument entwickelt, das technik-unerfahrenen Nutzern ermöglicht, anhand von Anleitungen und Hintergrundinformationen sowie der Bereitstellung der richtigen Werkzeuge, das eigene Fahrrad selbst zu reparieren.  Unter anderem aus diesem Projekt wollen die Forscher Rückschlüsse für die industrielle Montage ziehen.

An diesem Beispiel wird deutlich, dass „smartes Lernen“ noch am Beginn einer spannenden Entwicklung steht, die durch weitere digitale Entwicklungen großen Einfluss auf die Art des Lernens nehmen wird.

Wir sind gespannt.

 

 

Über Dajana Hoffmann

Dajana Hoffmann hat nach ihrer Ausbildung zur Verlagskauffrau nebenberuflich Marketing studiert und als Produktmanagerin in einem internationalen Medienkonzern gearbeitet. Von innovativen Bildungskonzepten überzeugt, absolvierte sie einen Fernstudiengang zum Social Media Manager und ist begeistert von der Digital Learning Welt und den Möglichkeiten, die sich dadurch bieten. Seit Juli 2014 ist sie im Bereich Marketing und Business Development bei equeo als freie Mitarbeiterin tätig.

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