Vor über 10 Jahren hatte ich die Gelegenheit zum Gespräch mit einem Bundestagsabgeordneten. Dabei habe ich ihm berichtet, dass die Einführung von E-Learning-Systemen in Unternehmen oftmals daran scheitert, dass der Betriebsrat aus Angst vor Missbrauch der Mitarbeiterdaten nicht zustimme. Der damals recht prominente Abgeordnete wollte nach dem Gespräch mit seinem damaligen „Chef“ Franz darüber sprechen. Ich weisse nicht ob er tatsächlich mit dem Ex-Arbeitsminister und späterem Parteivorsitzenden gesprochen hat und wenn ja mit  welchem Ergebnis.

Unabhängig davon ist Datenschutz im E-Learning-Bereich immer auch ein Thema der Mitbestimmungsbefugnisse. Durch neuere Entwicklungen in diesem Feld und vor allem den Möglichkeiten von „Learning Analytics“ ist dieses auch wieder ein sehr aktuelles.

Die Befürchtungen kommen dabei aus einer ganz bestimmten Richtung: Ein Unternehmen, das die Lernergebnisse seiner Mitarbeiter kennt, kann diese nutzen, um seine Mitarbeiter zu beurteilen. Im Extremfall kann es die Informationen nutzen, um schwächere Mitarbeiter zu entlassen. Wie in der Schule: Prüfen, Beurteilen, Selektieren.

Natürlich gibt es Unternehmen, die genauso „ticken“. Allerdings gehören diese mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zu den erfolgreichen Ihrer Branche in der modernen, globalisierten Welt. Hier haben vielmehr Unternehmen größere Chancen, die eine Unternehmenskultur pflegen, bei der Weiterbildung dazu dient, Mitarbeiter zu entwickeln und Ihnen und dem Unternehmen Chancen aufzuzeigen. Letzlich zeigt sich nicht in Trainings, sondern in der täglichen Praxis über welche einzelnen Kompetenzen Mitarbeiter verfügen.

Wie aber können Unternehmenen mit dem Thema Mitarbeiterdaten in einem digitalen Lernsystem umgehen? Weshalb wird mir als Mitarbeiter nicht freigestellt, welche Lerndaten ich „preisgeben“ möchte? Wenn ich nicht einverstanden bin, dass Testergebnisse oder Lernwege gespeichert werden, sollte ich das Recht haben, die Erfassung, Speicherung und Auswertung zu verweigern. Wenn ich aber damit einverstanden bin, erhalte ich auf Basis dieser Daten im Idealfall individualisierte Lernangebote, mit denen man sich weiter qualifizieren kann. Durch die massgeschneiderte Lösung entgegen einem „One Course fit’s it all“- E-Learning spart der Mitarbeiter als auch das Unternehmen Resourcen. Smart Learning!

Ein kleiner Nachsatz sei gestattet: Erlauben Mitarbeiter die Nutzung der Learning Analytics in signifikantem Masse nicht, sollte ein Unternehmen vielleicht weniger über die Weiterbildung als vor allem und grundsätzlich über die eigene Unternehmenskultur nachdenken.

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